Sieben Euro, bitte. Ein kurzer Blick, ein paar Worte, der Schranken öffnet sich, das nächste Auto rollt vor. Von außen wirkt die Arbeit in einer Mautkabine wie eine Abfolge, die sich ständig wiederholt. Carmen Pichler und Luca Prentner wissen: In diesen wenigen Sekunden passiert deutlich mehr. Sie verkaufen Tickets und Vignetten, geben Auskunft, erklären Tarife und bringen gestresste Reisende wieder auf Kurs.

Carmen arbeitet seit 2018 am Bosruck. Begonnen hat sie als Saisonkraft, seit Dezember 2022 gehört sie zum Stammpersonal. Luca ist 19 und verbringt gerade seinen zweiten Sommer als Ferialmautner.

Zwei Generationen, zwei unterschiedliche Wege in denselben Beruf – und die gleiche Erkenntnis: Nur kassieren? Von wegen!

Vom Zufallstreffer zum fixen Arbeitsplatz

Carmen kam eher zufällig an die Mautstelle. Sie war kurzzeitig arbeitslos, kannte jemanden aus dem Team und bewarb sich. Im Mai 2018 begann sie ihre erste Saison. Der Arbeitsplatz war nur rund 15 Autominuten von zu Hause entfernt und ließ sich gut mit ihrem Familienleben verbinden.

An das Schichtsystem musste sie sich allerdings erst gewöhnen. „Da habe ich schon überlegt: Ich hau den Hut drauf, das schaffe ich nicht“, erinnert sie sich. Sie blieb – zunächst saisonal, dann als Karenzvertretung und schließlich fix.

Luca wurde von einem Klassenkollegen auf den Ferialjob aufmerksam gemacht. Der hatte ihm erzählt, die Arbeit an der Mautstelle sei „eigentlich eine echte Gaudi“. Luca stellte sich das ganz einfach vor: Preis nennen, kassieren und gute Fahrt wünschen.  „Dann habe ich gemerkt: Da ist noch viel mehr dahinter.“

Schichtbetrieb mit kleinen Überraschungen

Am Bosruck läuft der Betrieb rund um die Uhr. Gearbeitet wird in Früh-, Spät- und Nachtschichten, ergänzt durch Zwischendienste. Kaum hat die oder der Mitarbeitende die Kasse angemeldet und die Spur geöffnet, wartet meist schon das erste Fahrzeug.

Wer glaubt, an der Mautstelle gehe es nur um Tickets und Bezahlung, irrt. Die Aufgabenpalette reicht vom Verkauf von Einzelfahrten, Kombitickts und Mehrfahrten sowie österreichischen und slowenischen Vignetten bis zu Kennzeichenänderungen und Auskünften aller Art.

Und manchmal kommt sogar die Jause durchs Kabinenfenster. Carmen erinnert sich an einen Kunden, der an einer Raststation heiße Leberkäsesemmeln kaufte und sie dem Team überreichte. Einfach so. Auch Schokolade, Kekse und Getränke finden immer wieder ihren Weg durchs Kabinenfenster. „Die Leute können schon sehr lieb sein“, sagt sie.

Wenn 60 Sekunden reichen müssen

Meist bleibt weniger als eine Minute pro Fahrzeug. Trotzdem entsteht oft ein kurzer persönlicher Moment. Durch ihre Erfahrung erkennt Carmen schon beim Heranfahren, ob jemand offen für einen Scherz ist oder lieber rasch weiterfahren möchte.

Besonders häufig kommen Fragen zur Streckenmaut: „Warum muss ich hier zahlen, obwohl ich eine Vignette habe? Wofür sind die sieben Euro?“ Als sich einmal jemand über den Preis beschwerte, verwies Carmen auf die zahlreichen Tunnel entlang der Strecke und rechnete den Betrag kurzerhand auf 35 Cent pro Tunnel herunter. Damit war die Diskussion schnell beendet.

Humor gehört für die erfahrene Mautnerin zum Job. Auch wenn der Ton manchmal rauer ist, lässt sich Carmen davon nicht aus der Ruhe bringen. Wenn doch einmal eine Begegnung nachwirkt, hilft der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen. Denn das nächste Auto wartet bereits.

Sorgfalt vor Schnelligkeit

Auch Luca merkte schnell: An der Mautstelle läuft vieles gleichzeitig. Er kontrolliert Kennzeichen, wählt das richtige Produkt aus und gibt Wechselgeld heraus. Dabei muss er den Überblick behalten. Gerade zu Beginn ist hier volle Konzentration gefragt. Deshalb sitzt in den ersten Tagen eine erfahrene Kollegin oder ein erfahrener Kollege mit in der Kabine und unterstützt bei den ersten Schritten.

Anfangs setzte sich Luca selbst unter Druck. Vor allem dann, wenn sich vor seiner Spur eine längere Kolonne bildete, wollte er möglichst schnell arbeiten. Bei einer Abrechnung fehlten einmal zehn Euro. Seither weiß er: Genauigkeit ist wichtiger als Tempo. „Es ist gescheiter, sich ein bisschen mehr Zeit zu nehmen und dafür genauer herauszugeben.“

Inzwischen fühlt er sich sicher. Taucht trotzdem eine unerwartete Situation auf, kann er jederzeit die Dienstaufsicht kontaktieren.

Geschichten im Minutentakt

Und ungewöhnliche Situationen gibt es genug. Nicht selten wird eine besetzte Spur mit einer freien Durchfahrtsspur verwechselt. Das kann dann schon einmal mit einem Zusammenstoß am Schranken enden, den es dann aus seiner Verankerung reißen kann. Dann ist schnelles Handeln gefragt: Spur sperren, Schranken wieder montieren und den Verkehr möglichst rasch weiterlaufen lassen.

Immer wieder halten Reisende im Autobahnbereich an oder steigen sogar aus, um eine Frage zu stellen. Dann wird Carmen deutlich: Hier darf keinesfalls angehalten werden – viel zu gefährlich auf einer Autobahn Carmen achtet deshalb darauf, dass die Reisenden ihre Fahrt möglichst rasch und sicher fortsetzen. Besonders dann, wenn Kinder im Auto sitzen.

Daneben gibt es die kleinen Szenen, die den Alltag besonders machen: einen Hund, der aus einem britischen Rechtslenker direkt ins Kabinenfenster schaut. Voll beladene Urlaubsautos. Stammkundinnen und Stammkunden, die sich über ein kurzes Gespräch freuen.

An der Mautstelle ist kein Fahrzeug wie das andere – und kaum eine Minute wie die nächste.

Mit Händen und Füßen: Wenn Worte nicht ausreichen

In seinen beiden Sommern hat Luca gelernt, sich auch ohne gemeinsame Sprache zu verständigen. Dass so viele Reisende weder Deutsch noch Englisch sprechen, hat ihn überrascht. Dann helfen Gesten, Improvisation und vor allem Geduld. Anfangs fühlte er sich in solchen Situationen manchmal überfordert. Inzwischen klappt das immer besser.

Carmen weiß aus jahrelanger Erfahrung, dass hinter jedem Fahrzeug eine andere Geschichte steckt. Manche Reisende stehen unter Zeitdruck oder sind überfordert. Andere wissen nicht, welche Spur oder welches Produkt richtig ist. Carmen erkennt schnell, was sie brauchen: eine rasche Auskunft, eine verständliche Erklärung oder einfach ein freundliches Wort.

Genau diese persönliche Hilfe macht für beide den Unterschied zum Automaten.

Gekommen um zu bleiben

Luca empfiehlt den Ferialjob jedenfalls weiter. Er schätzt die unterschiedlichen Dienstzeiten und die Begegnungen, die ihn im Arbeitsalltag immer wieder überraschen. In einer ruhigen Nachtschicht wollte sich ein Reisender aus England mit ihm über Politik unterhalten. „Das gibt es alles“, sagt Luca schmunzelnd.

Luca will nächsten Sommer gerne wiederkommen, auch weil der Ferialjob gut bezahlt ist. Ob das klappt, hängt unter anderem vom Bundesheer ab.

Carmen ist längst geblieben. Sie schätzt den kurzen Arbeitsweg, die Abwechslung und vor allem die Begegnungen mit den Menschen. Viele Kundinnen und Kunden kennt sie inzwischen vom regelmäßigen Vorbeifahren.  Wenn Zeit bleibt, freut sie sich über einen kurzen Plausch am Kabinenfenster.

Auch ihr Arbeitsplatz hat sich vor Kurzem verändert. Die neue Mautstation ist größer, heller und modern ausgestattet. Sie bietet mehr Platz und hat eine Klimaanlage sowie eine Belüftungsanlage. Carmen nennt ihre neue Kabine lachend einen „Palast“. Was sie an ihrem Job am meisten schätzt, sind weiterhin die Menschen, die täglich vorbeikommen.

Silvia Moser
Silvia Moser

Online und Social Media Managerin

Betreut seit 2015 unter anderem die Social Media Kanäle der ASFINAG. Gute Kommunikation gepaart mit einem Augenzwinkern gehört da einfach dazu. Silvia ist privat gerne in der Natur unterwegs. Der perfekte Ausgleich zur onlinen Welt, in der sie sich tagtäglich bewegt.