Vom blanken Blech zum strahlenden Wegweiser – so entstehen Verkehrsschilder
Sie weisen uns verlässlich den Weg, strahlen im Scheinwerferlicht, wenn wir im Dunkeln unterwegs sind, und informieren uns über die verbleibende Distanz zu unserem Ziel. Die Rede ist von den typischen blau-weißen Autobahnschildern. Aber welchen Weg legen die Schilder bis zu ihrem Standort eigentlich zurück? Ein Werksbesuch.Die Wegweiser auf der A 21 Wiener Außenring Schnellstraße vor dem Knoten Steinhäusel sind in die Jahre gekommen und sollen ausgetauscht werden. Die perfekte Gelegenheit, sich die Herstellung der blau-weißen Giganten einmal genauer anzuschauen. Dafür fahren wir ins malerische Waidhofen an Ybbs und besuchen die Firma Forster. Begleitet von Stefan Beck, Geschäftsbereichsleiter für Verkehrstechnik, schauen wir Schritt für Schritt zu, wie aus bedruckter Folie, Aluminiumblechen und Stahl zwei Verkehrsschilderbrücken für die ASFINAG entstehen – vom Digitaldruck bis zur nächtlichen Montage auf der Autobahn.
Von der Grafik zur Folie – Druck und Zuschnitt
Und schon sind wir mittendrin, in der Druckerei, in der es emsig summt und geschäftig zugeht. „Die zu druckenden Symbole werden über den Computer an die Maschine geschickt“, sagt Herr Beck und deutet auf einen Digitaldrucker, der ausschließlich für die Verkehrszeichenproduktion läuft. Eingespannt ist eine weiße Folienrolle, die 1,20 Meter breit und 45 Meter lang ist. Die Maschine arbeitet ähnlich wie ein Tintenstrahldrucker und bringt die Farben präzise auf. Die retroreflektierende Wirkung steckt in der Folie selbst: „Durch die spezielle Glasperlentechnik – oder auch mikroprismatische Technik –, die in der Folie eingearbeitet ist, reflektiert sie das Licht zur ausstrahlenden Quelle zurück.“ Danach kommen die bedruckten Folien als Rollenware zum Schneidplotter, der die einzelnen Verkehrszeichen auf die Form zuschneidet.“
Von der Folie zum Schild - Aufkleben
Herr Beck führt uns weiter in die nächste Halle, wo die vorbereiteten Folienzuschnitte auf die sogenannten Bildträger warten – Aluminiumgrundbleche in verschiedenen Formaten. An den Arbeitsplätzen treffen Folie und Blech zusammen. „Beides wird hier eingelegt und gewalzt. Somit hat man den entsprechenden Anpressdruck und verhindert eine Blasenbildung“, erklärt Herr Beck, während seine Kollegin mit beeindruckender Präzision ein Halteverbotsschild aufklebt.
Gefertigt werden bei Forster nämlich alle Arten von Verkehrszeichen. „Vom ganz kleinen runden oder dreieckigen Verkehrszeichen bis hin zu den großen wegweisenden Schildern.“ Großtafeln entstehen allerdings modular: „Ein Schild, das beispielsweise neun Meter lang ist und drei Meter hoch, produzieren wir in einzelnen Tafelformaten, die dann zusammengesetzt werden, erläutert Herr Beck. „Die Autobahnschilder, die wir hauptsächlich an die ASFINAG liefern, sind oft zehn Meter breit und vier Meter hoch, also 40 m² groß.“ Eine Single-Wohnung hätte darauf also durchaus Platz.
Stahlarbeiten für jahrzehntelange Haltbarkeit
Nachdem wir nun wissen, wie die Schilder produziert werden, geht es jetzt in die Halle für die Tragwerksfertigung. Schließlich brauchen die Tafeln ein stabiles Gerüst, um später über den Autobahnspuren hängen zu können. „In der Laserschneidanlage werden Bleche bis zu 15 Millimeter Dicke geschnitten“, erklärt Stefan Beck. „Der Laser schneidet die notwendigen Bohrungen und Öffnungen sowie die Außenkonturen aus dem Grundblech aus.“ Aus diesen Blechen werden zum Beispiel U-Schalen gekantet und verschweißt, um einen Hohlkastenträger zu bauen.
Wenige Schritte weiter fliegen die Funken. Ein Mitarbeiter in Schutzkleidung verschweißt gerade den Steher eines Tragwerks mit der Fußplatte. Sein Kollege gurtet ein langes Stahlteil an einen Kran, um es sanft schwebend von einem Arbeitsschritt zum nächsten zu bewegen. Was so leicht ausschaut, ist in Wahrheit tonnenschwer. Schließlich muss ein Tragwerk später Schilder mit einem Gewicht von 20 Kilogramm pro Quadratmeter halten.
Herr Beck verrät noch ein paar Details zum Stahlbau: „Für unsere verschiedenen Bauformen kaufen wir von Rohmateriallieferanten Bleche und Formrohre zu und verarbeiten sie dann von Anfang bis Ende selbst. Sehr üblich sind die sogenannten Fachwerkskonstruktionen.“ Sie zeichnen sich durch besonders hohe Stabilität und geringes Eigengewicht aus. „Der einzige Prozessschritt, den wir außer Haus geben, ist das Verzinken.“
Bevor wir zu den brandneuen Schilderbrücken für die A 21 kommen, führt unser Weg an einer Pulverbeschichtungsanlage vorbei. Und weil wir nicht hineinschauen können, beschreibt Experte Stefan Beck, was drinnen vor sich geht: „Durch das Pulverbeschichten verleihen wir Bauteilen aus Aluminium einen Korrosionsschutz. Wie funktioniert das Ganze? Die Bauteile werden durch eine Vorbehandlung schmutz- und fettfrei gemacht und in der Kabine von Düsen mit Pulver besprüht. Durch Elektrostatik haftet es am Bauteil. Im nächsten Schritt geht es in einen Ofen, in dem sich das Pulver bei 200 Grad verflüssigt. Dadurch entsteht eine Oberfläche wie eine Lackierung.“
Montage und Transport
Jetzt ist der große Moment endlich da! Wir kommen in den Teil der Produktionshalle, in dem die fertig vormontierten Verkehrsschilderbrücken für die A 21 auf ihren Abtransport warten. Und obwohl eine LED-Vollmatrix-Anlage kurz abzulenken versucht, lassen wir uns nicht beirren und stehen plötzlich vor ihnen. Die größere ist 10,50 Meter breit, 3,50 Meter hoch und um die 800 Kilo (nur die Tafel) schwer. Und was soll man sagen? Sie sind wunderschön. 🤩 Beim näheren Hinschauen lassen sich die einzelnen Produktionsschritte, die wir nun kennengelernt haben, nachvollziehen. Man erkennt die Elemente der bedruckten Folien auf den Blechen und sieht, wie Tragwerk und Schild verbunden sind.
Aber wie kommen diese riesigen Schilderbrücken an ihren Bestimmungsort? Wäre die Lieferung in kleineren Teilen nicht einfacher? Herr Beck klärt auf: „Die Vormontage spart später Zeit auf der Strecke. Darum werden die Schilder nicht vor Ort aufgeschraubt, sondern kommen fertig auf den Lkw. Vor Ort, muss dann nur mehr die gesamte Tragkonstruktion eingehoben werden.“ So ist sichergestellt, dass die Einschränkungen für den Verkehr so kurz wie möglich gehalten werden. Wenn gewünscht, übernimmt Forster auch die Arbeiten auf der Strecke: „Wir haben eine eigene Montageabteilung mit 15 Mitarbeitenden, die die Produkte montieren.“
Der Produktionsweg unserer Verkehrsschilderbrücken endet hiermit. An ihrem Standort werden sie mindestens zwölf Jahre – höchstwahrscheinlich aber länger – ihren Dienst tun und den Verkehrsteilnehmenden den Weg auf die A 1 weisen.
Kurzporträt Forster Verkehrs- und Werbetechnik GmbH
Forster stellt am Standort Waidhofen an der Ybbs Verkehrszeichenbrücken (Trag-Konstruktion) plus die wegweisende Beschilderung her. Oftmals als Partner eines Generalunternehmers, der für die ASFINAG baut, aber auch als direkter Partner. Am selben Standort ist der Bereich Drucktechnik beheimatet – für werbetechnische Produkte bis hin zu Sicherheitsdrucken (u. a. die Autobahnvignette) und technischen Siebdrucken für Human‑Machine‑Interfaces. Am zweiten Produktionsstandort St. Peter in der Au fertigt das Unternehmen Lärmschutzwände aus Aluminium für Straße und Bahn sowie fahrbare Regalsysteme für Archive, Bibliotheken und Museen.
FAQ
Wie schnell lässt sich ein Schild nach einem Unfall ersetzen?
Bei Unfallschäden sind Großtafeln in ca. sechs Wochen wieder beim Kunden – die Fertigung wird dann priorisiert.
Wie nachhaltig ist ein Verkehrsschild?
Rückstrahlwerte und Farborte (Koordinaten in einem Farbraum) müssen eine Funktionsdauer von zwölf Jahren erfüllen, damit Schilder auch nach Jahren noch lesbar sind. Forster ist als klimaneutrales Unternehmen durch den TÜV Austria zertifiziert. Der Strom stammt aus erneuerbaren Quellen, die Prozesswärme aus dem eigenen Biomassewerk.
Wer beauftragt Verkehrsschilder?
Entweder die ASFINAG direkt oder die von ihr beauftragten Bauunternehmen.
Wer darf Schilder an der Autobahn aufstellen lassen?
Neben der ASFINAG können Gemeinden oder Einrichtungen sogenannte Kulturtafeln aufstellen lassen. Dafür müssen sie im Vorfeld Genehmigung und Nutzung mit der ASFINAG abstimmen.