Wie die Menschen mobil wurden

Bei der Entwicklung unserer Mobilität in der heutigen Form spielten mehrere Faktoren eine entscheidende Rolle: Für die Menschen war es schon immer von Vorteil miteinander in Kontakt zu stehen und Waren auszutauschen. Seit der neolithischen Revolution gewann der Handel mit Gütern zunehmend an Bedeutung, nachdem die ersten dauerhaften Siedlungen errichtet wurden. Die Menschen lebten nicht mehr von der Hand in den Mund, sondern spezialisierten sich auf die Erzeugung bestimmter Produkte und tauschten diese untereinander aus - eine Entwicklung, die sich bis heute gehalten hat. Das war auch der Startpunkt für die Entstehung des heutigen Verkehrsnetzes, wie wir es kennen.

Der Handel mit Gütern verändert stets das Verkehrswesen

Um den Handel effizient zu gestalten, wurden Reisewege immer besser ausgebaut. Im Römischen Reich wurden aus Trampelpfaden befestigte, gepflasterte Straßen. Einige davon wurden sprichwörtlich für die Ewigkeit errichtet, wie die etwa 2000 Jahre alte Via Claudia Augusta, die von der italienischen Poebene über die Tiroler Alpen ins heutige Bayern führt.

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts stellten Kutschen und Zugwägen auf Straßen auch die einzig schnelle Möglichkeit dar, um Distanzen zu überwinden. Erst mit dem Aufkommen der Eisenbahn in Europa erfuhr die Entwicklung der Mobilität eine neue Wende und die Straße verlor zwischenzeitlich an Bedeutung für den Handelsverkehr.

Im Zuge der Industrialisierung stieg der Bedarf an Kohle und Metallen und es wurde ein weitverzweigtes Schienennetzt angelegt, um die Menge an Gütern mit Wagons zu transportieren. Selbige sorgte auch für die Schaffung neuer Arbeitsplätze in den Industriewerken. Die Folge war eine starke Landflucht ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in vielen europäischen Ländern.

Um dem Bevölkerungswachstum in den Städten Herr zu werden, entstanden um die mittelalterlichen Stadtkerne neue Wohnsiedlungen und Straßennetze, da von den Einwohnerinnen und Einwohnern nach wie vor die Pferdekutsche und das Laufrad zur Fortbewegung auf Kurzstrecken genutzt wurden. Dies ist noch heute in der städtebaulichen Geschichte vieler österreichischer Städte wie Wien, Innsbruck oder Salzburg sichtbar, die zu jener Zeit starken Zuwachs erfuhren.

Das Automobil als Anker unserer gegenwärtigen Entwicklung der Mobilität

Nach dem ersten Weltkrieg lief in Europa langsam die Massenfertigung von Pkw an und der Individualverkehr erfuhr eine signifikante Wende. Die immer günstiger werdenden Autos konnten sich mehr und mehr Menschen leisten und das Pferd als Fortbewegungsmittel verlor an Bedeutung. Seinen Durchbruch erfuhr das Automobil jedoch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Waren 1960 noch weniger als 500.000 Fahrzeuge in Österreich zugelassen, verzehnfachte sich diese Zahl bis 2019.

Generell war das heutige Österreich immer schon ein Transitland. Dominiert von den Alpen im Westteil des Landes, gibt es nur wenige Täler und Pässe, die eine Durchreise nach Norden, ins heutige Deutschland respektive Richtung Süden, nach Italien ermöglichen. Für viele Reisende sind die A 12 Inntal Autobahn und die A 13 Brenner Autobahn mit den vielbefahrenen Pässen unabdingliche Routen geworden, insbesondere seit der Schaffung des Schengenraums ohne Grenzkontrollen.

So passierten in 2019 rund 16,8 Millionen Pkw diese Strecke. Noch mehr hängt von diesen Fahrwegen allerdings der Güterverkehr ab. Noch immer findet ein Großteil des Warentransports innerhalb der Zollunion mit dem Lkw statt, sodass sich allein über den Brenner 2,77 Million Laster den Weg nach Österreich und weiter in andere EU-Länder suchten.

Mobilität im Wandel, aber in welche Richtung?

Angesichts des gesellschaftspolitischen Entwicklungen unserer Zeit und den weiter steigenden Mobilitätsbedürfnissen, stellt sich natürlich die Frage, wohin die Entwicklung der Mobilität geht und auch gehen kann. Wir wissen, an einem klimaneutralen Transportwesen und Individualverkehr führt kein Weg vorbei, aber: Ist das umsetzbar und wenn ja wie und wie schnell? Welche Folgen – positive und negative - hätte das? Wie lässt sich diese Transformation beschleunigen? Welche Rolle nehmen dabei die einzelnen Menschen, die Politik oder auch Infrastrukturbetreiber wie die ASFINAG ein?

Beim Klimaschutz war Österreich in den vergangenen Jahren meist unter dem Durchschnitt unterwegs, auch was den Sektor Verkehr betrifft. So ist auch im Jahr 2019 der CO²-Ausstoß durch den Verkehr erneut gestiegen. Hier wird noch sehr viel umgesetzt werden müssen, um die angestrebten Klimaziele zu erreichen. Auch wir als Straßenbetreiber dürfen unserer wichtigen Rolle gerecht werden. Ein wichtiger erster Schritt zur Mobilitätswende ist der Fokus auf intermodalen Verkehr, den wir aktiv vorantreiben. Aber auch der Ausbau der E-Mobilität ist ein wichtiger Parameter, um die Mobilität von morgen zu gestalten. Aber es warten noch viele andere Aufgaben auf uns. Die ASFINAG, das sind nicht nur Straßen und die Fahrzeuge, die auf ihnen fahren, es ist ein komplexes System, wo jeder Mensch seinen persönlichen Beitrag leisten muss, um die Mobilität im Wandel zu gestalten.

Ob der Ausbau von erneuerbaren Energien entlang unseres Streckennetzes, das Bauen im Einklang mit der Natur oder der Schutz der Lebensräume für Tiere und Pflanzen, all das sind zentrale Handlungsfelder für uns als Mobilitätspartner.

Was sich auf jeden Fall nicht ändern wird, sind das Mobilitätsbedürfnis der Menschen selbst und die wichtige Rolle Österreichs als Knotenpunkt für viele Verkehrswege durch ganz Europa.

🤝 Wir verbinden Regionen und Menschen im Herzen Europas, als verlässlicher, innovativer und nachhaltiger Mobilitätspartner. 🤝

Das ist unser Anspruch und Selbstverständnis – und daran arbeiten wir aktiv. Wird es in Zukunft noch Autobahnen geben? Wir sind überzeugt davon! Sie werden aber sicherlich anders sein, als wir sie bisher kennen. Einen kleinen Einblick in seine Ideen hat uns Kollege Thomas Steiner in diesem Artikel bereits gegeben.

Ja, die Mobilität befindet sich in einem fundamentalen Wandel und es ist spannend und aufregend diese Entwicklungen zu beobachten und mitgestalten zu können. Wichtig ist uns an dieser Stelle, dass stets der Mensch im Zentrum unserer Bemühungen steht und wir die Mobilität von morgen bestmöglich im Einklang mit der Natur gestalten.

 

Was sind Ihre Ideen, Wünsche und Vorstellungen für die Mobilität von morgen? Was möchten Sie verändern und verbessern? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Ulli Vielhaber
Ulli Vielhaber

Strategy Owner Nachhaltigkeit, Ökologisierung, Umweltschutz

Ulli Vielhaber arbeitet seit 2015 in der ASFINAG und ist als Strategy Owner in der Konzernsteuerung für die ASFINAG Agenden für Nachhaltigkeit, Ökologisierung und Umweltschutz zuständig. Sein Ziel ist es, die Dekarbonisierung der ASFINAG als Unternehmen und des ASFINAG Straßennetzes so schnell wie möglich voranzutreiben. Durch Spiel, Sport und Spaß mit Familie und Freunden schöpft er die dafür notwendige Energie.