CO2-Neutralität als Ziel

Bei einem hochrangigen Gipfeltreffen der Vereinten Nationen (United Nations, UN) im September 2015 wurde die "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" unter dem Titel "Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" beschlossen. Alle 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen verpflichteten sich, auf die Umsetzung dieser Agenda - mit ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDGs) - auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene bis zum Jahr 2030 hinzuarbeiten.

Diese Vereinbarung sowie die Pariser Klimaziele und das Österreichische Regierungsprogramm 2020 – 2024 geben eine klare Richtung vor: Bis spätestens 2040 muss Österreich die CO-Neutralität erreicht haben, so dass sich kommende Generationen ebenso frei und ungehindert entfalten und die Natur genießen können, wie wir heute.

An diesem Punkt spielt das Thema „Dekarbonisierung“ eine entscheidende Rolle. Bei der Nutzung und Verbrennung fossiler Energiequellen entsteht Kohlendioxid (CO2), das in aller Regel in die Luft entlassen wird. Der steigende CO2-Gehalt in unserer Atmosphäre verursacht große klimatische Veränderungen. Deswegen versucht man den Einsatz kohlenstoffhaltiger Energieträger zu reduzieren. Diese Maßnahme nennt man Dekarbonisierung (vom Englischen carbon = Kohlenstoff).

Der Verkehr auf den Straßen trägt einen wesentlichen Teil zum österreichweiten CO2-Ausstoß bei.

Als Mobilitätspartner und Infrastrukturbetreiber trägt auch die ASFINAG hier eine große Verantwortung und es gibt viele Punkte, an denen wir ansetzen und unseren Beitrag zur Erreichung dieser klimarelevanten Ziele leisten. Wir wollen ein Vorbild sein und haben uns als Ziel den „Weg zur unternehmensweiten CO2-Neutralität bis 2030“ gesetzt. Zusätzlich wollen wir auch unseren Kundinnen und Kunden eine CO2-neutrale Nutzung unseres Streckennetzes ermöglichen.

Erster Schritt: Energiefresser aufspüren

Um den Betrieb unserer Autobahnen und Schnellstraßen aufrecht zu erhalten, brauchen wir natürlich Energie – viel Energie. Das steigende Verkehrsaufkommen, zusätzliche Straßen- und Tunnelanlagen sowie neue Sicherheitsbestimmungen führen zu einem immer höheren Energieverbrauch.

Wir lassen unseren jährlichen Energieverbrauch von externen Expertinnen und Experten evaluieren, um zu sehen, wo wir Energie sparen können. Große Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden müssen das in Österreich zumindest alle vier Jahre durchführen.

Im Jahr 2018 haben wir österreichweit rund 227 GWh verbraucht: 18,6 Prozent für Gebäude (Heizen, Kühlen, Strom), 57,0 Prozent für Prozesse (Tunnelanlagen, VBA u.Ä.) und 24,4 Prozent für Transport (unser Fuhrpark). Unternehmensweit wurden rund 16 Millionen Euro an Energiekosten ausgegeben und 17.200 Tonnen CO2 ausgestoßen. Zusammen verbraucht die ASFINAG damit in ganz Österreich etwa so viel Energie, wie die Haushalte einer Stadt mit ca. 130.000 tausend Einwohnern, also z.B. Innsbruck.

Zweiter Schritt: Erneuerbare Energie einsetzen

Eines unserer strategischen Ziele im Bereich Nachhaltigkeit lautet, bis 2030 zehn Prozent unseres Energieverbrauchs durch Photovoltaikanlagen, Kleinwasserkraftwerke, Geothermieanlagen und Windkraftwerke selbst zu erzeugen. Dafür benötigen wir ungefähr vierzehn Hektar Photovoltaikanlagen, fünfzehn Kleinwasserkraftwerke oder fünf Windkraftanlagen oder einen Mix dieser erneuerbaren Energieanlagen. Die ersten Schritte hierzu haben wir bereits umgesetzt: Seit 2016 beziehen wir nur noch Strom aus erneuerbarer Energie. Zusätzlich bauen wir die eigene Energieerzeugung aus.

Die Errichtung und der Betrieb von Photovoltaik-Anlagen haben wir im Jahr 2018 aus dem Pilotstadium in den Regelbetrieb geführt. Die Tunnelportale und Dachflächen auf unseren ASFINAG-Standorten sind gut geeignet, um Photovoltaik-Anlagen zu errichten und den erzeugten Strom direkt vor Ort zu verwenden. 2019 wurden Photovoltaik-Anlagen auf der S 10 beim Tunnel Manzenreith, auf der S 1 beim Tunnel Rustenfeld und bei der ABM Klagenfurt in Betrieb genommen. Mit Ende 2019 waren insgesamt elf Photovoltaik-Anlagen auf Tunnelportalen und Dachflächen in Betrieb und lieferten uns 872 Kilowatt-Peak (kWp) an Energie (siehe Tabelle). Dies sind pro Jahr ca. 872.000 Kilowatt Stunden Energie.

StreckeStandortBundeslandEnergiequellekWpin Betrieb seit
A 2TU Herzogberg, WestportalSteiermarkPhotovoltaik50Oktober 2017
A 10UFT Trebesing, NordportalSteiermarkPhotovoltaik40Dezember 2017
A 10TU Katschberg, SüdportalKärntenPhotovoltaik180Dezember 2018
A 10TU Wolfsberg, SüdportalKärntenPhotovoltaik20Juni 2018
S 10TU Manzenreith, SüdportalOberösterreichPhotovoltaik120November 2019
S 1TU Rustenfeld, OstportalWienPhotovoltaik130Dezember 2019
A 21HinterbrühlNiederösterreichSolarblume2,5Dezember 2016
A 4ABM Bruck an der LeithaNiederösterreichPhotovoltaik30August 2019
A 2ABM KlagenfurtKärntenPhotovoltaik220Dezember 2019
A 9TU Plabutsch, SüdportalSteiermarkPhotovoltaik50März 2013
A 2ABM UnterwaldSteiermarkPhotovoltaik30März 2014
    872,5 gesamt 

Gut zu wissen: Was eine Photovoltaik-Anlage leisten kann

So viele Zahlen verwirren meist mehr, als sie helfen und nur die wenigsten unter uns können sich auch konkret etwas darunter vorstellen. Kilowatt-Peak (kWp) ist ein besonderes Maß, das ausschließlich zur Messung der Leistung von Photovoltaikanlagen verwendet wird und bezieht sich auf die Leistung unter Idealbedingungen, die im tatsächlichen Betrieb nicht immer erreicht werden können. Normalerweise wird elektrische Leistung jedoch in Watt gemessen. Eine Anlage mit einem Wert von 1 kWp erzeugt im Jahr etwa 1.000 kWh Strom.

Kilowattstunden (kWh) sind eine Maßeinheit für Energie. Eine Kilowattstunde entspricht der Energie, die eine Photovoltaikanlage mit der Leistung von 1 kW in einer Stunde erzeugen kann. Somit ist die Einheit Kilowattstunde ein Maß für die Stromproduktion einer Photovoltaikanlage.

Oft ist die Kilowattstunde Strom eine abstrakte Größe. Hier ein paar Beispiele, was Sie mit einer kWh machen können:

  • eine Ladung Wäsche in der Waschmaschine waschen
  • 50 Stunden lang mit einer Energiesparlampe einen Raum beleuchten
  • einen Kuchen im Backrohr backen
  • sieben Stunden fernsehen
  • Essen für vier Personen kochen

Ein österreichischer Haushalt verbraucht durchschnittlich ca. 4.400 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Der durchschnittliche Energieverbrauch schwankt je nachdem, wie viele Personen in einem Haushalt leben. In Österreich leben durchschnittlich 2,21 Personen pro Haushalt. Umgelegt auf unsere Photovoltaikanlagen könnten wir derzeit also erneuerbare Energie für ca. 312 Haushalte erzeugen.

Dritter Schritt: So geht es weiter

Für die kommenden Monate und Jahre werden weitere Photovoltaik-Anlagen in Tunnelnähe und auf ASFINAG-Standorten intensiv geprüft und vorbereitet. Es ist darüber hinaus geplant, photovoltaische Großanlagen mit bis zu 1 Megawatt Peak (MWp) zu errichten. Mit einer solchen Großanlage können wir unsere Eigenerzeugung mit einem Schlag mehr als verdoppeln.

Weitere Projekte zur Eigenenergieerzeugung sind die Herstellung von Kleinwasserkraftwerken. Wasserkraft ist nicht nur eine ökonomische, sondern auch umweltschonende Energiequelle. Wir planen Kleinwasserprojekte im Bereich des Flirscher Tunnels auf der S 16 Arlberg Schnellstraße, auf der Tunnelkette Semmering auf der S 6 Semmering Schnellstraße sowie im Bereich des Katschbergtunnels auf der A 10 Tauern Autobahn. Geplant ist es, diese Kleinwasserkraftwerke noch heuer in Betrieb zu nehmen um damit ca. 230 kWp grüne Energie für unsere Tunnelanlagen erzeugen zu können.

Ebenfalls schon in Prüfung befinden sich zwei Windkraftanlagen im Nahebereich unseres Streckennetzes. Ein Projekt befindet sich bei der S 1 Süd, das andere auf der A 10 Tauernautobahn. Derzeit evaluieren wir unseren Energieverbrauch in diesen Regionen, um die notwendige Größe der Windräder bestimmen zu können.

Neben diesen Projekten, prüfen wir derzeit auch den Einsatz von kleinen Geothermie-Kraftwerken (Geothermie = Erdwärme) auf unseren Rastplätzen. Diese Energie könnten wir zur Heizung der Infrastrukturzellen oder zur Schneefreihaltung der Rastplatz-Flächen nutzen. Aber auch das Heizen und Kühlen unserer Autobahnmeistereien könnten wir damit bewerkstelligen. Energiegewinnung durch Erdwärme bedeutet eine stabile und gesicherte Grundversorgung an Strom aus einem erneuerbarem Rohstoff. Das Gute: Erdwärme kann - im Gegensatz zu Wind-, Wasser- und Solarenergie - zu jeder Zeit und bei jedem Wetter genutzt werden.

Erste sichtbare Ergebnisse

Mitte Februar 2021 war es endlich so weit: Unsere Smart Grid Anlage macht unseren Standort in Klagenfurt nachhaltig und blackout-sicher. Die wichtigsten Bestandteile dieses Stromnetzes sind die Photovoltaikanlage, ein eigenes Batteriespeicher-Kraftwerk, ein Notstromaggregat und die "smarte" Steuerung, die in Sekundenbruchteilen entscheiden kann, woher der benötigte Strom bezogen wird: Hier stehen die PV-Anlage, der Batteriespeicher oder das öffentliche Netz zur Verfügung. Sollte auch dieses ausfallen und die Batterie bereits leer sein, gibt es ein Notstromaggregat.

Unser Standort Klagenfurt mit der Autobahnmeisterei, der Verkehrsmanagementzentrale und den drei jeweils bis zu 70 kW starken Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge ist damit nachhaltig und für einen Blackout gerüstet.

Haben Sie's gewusst? In der Fachsprache bezeichnet „Smart Grid“ ein Stromnetz, das aus untereinander vernetzten, kommunizierenden Teilnehmern besteht.

In der Autobahnmeisterei Villach wurden darüber hinaus auf 740 Quadratmeter Werkstätten-Dachfläche 335 Stück PV-Module installiert. Diese sind speziell an die Bedürfnisse unseres E-Fuhrparks angepasst. Die PV-Module befinden sich zum Großteil auf den Dachflächen, die Richtung Süd-Ost (Vormittagssonne) ausgerichtet sind. Zu dieser Zeit werden die E-Autos an den Ladesäulen eher betankt, als am Nachmittag und Abend.

Auch die Autobahnmeisterei Lieserhofen wird seit kurzem mit erneuerbarer Energie aus der neuen 490 Quadratmeter großen PV-Anlage versorgt. Die geplanten neuen E-Ladestationen werden im Sommer 2021 realisiert.

Durch die Autobahnmeistereien Villach und Lieserhofen werden auf diese Weise pro Jahr 100.000 Kilo CO2-Emissionen vermieden.

Seit 2016 beziehen wir nun schon Strom aus ausschließlich erneuerbarer Energie. Das ist sicherlich gut, aber es liegt noch ein weiter Weg vor uns, bis wir die CO2-Neutralität erreicht haben. Hier packen wir gemeinsam an, denn jede Kilowattstunde an erneuerbarer Energie zählt!

Ulli Vielhaber
Ulli Vielhaber

Strategy Owner Nachhaltigkeit, Ökologisierung, Umweltschutz

Ulli Vielhaber arbeitet seit 5 Jahren in der ASFINAG und ist als Strategy Owner in der Konzernsteuerung für die ASFINAG Agenden für Nachhaltigkeit, Ökologisierung und Umweltschutz zuständig. Sein Ziel ist es, die Dekarbonisierung der ASFINAG als Unternehmen und des ASFINAG Straßennetzes so schnell wie möglich voranzutreiben. Durch Spiel, Sport und Spaß mit Familie und Freunden schöpft er die dafür notwendige Energie.