Vor 40 Jahren war Tunnelbau ein gefährliches Abenteuer

zuletzt aktualisiert am: 05.12.2018
Am 1. Dezember 1978 rollten die ersten Fahrzeuge durch den Arlbergtunnel. Anton Auer, später Mitarbeiter der ASFINAG, war in den 70er Jahren beim Bau des Tunnels dabei. Er erinnert sich an großes Staunen, eine technisch neue Welt, tragische Momente und daran, wie sehr sich der Tunnelbau im Laufe der Jahre verändert hat.
Tunnelbau Arlberg FOTO ASFINAG Archiv.jpg
3 Kommentare
Dipl.-Ing. Dr. techn. Max John vor 13 Tagen

Ausschreibung Für den damals 30-jährigen Projektleiter Dr. Max John war das Erstellen aller baulichen Ausschreibungsunterlagen die größte Herausforderung. Es waren in kürzester Zeit 3 Tunnelbaulose (01: 3.585m, 02: 5.790m, 03: 4.490m) und 2 Schachtbaulose auszuschreiben. Im Juli 1973 wurden in einer öffentlichen Ausschreibung den Bietern die Projektunterlagen zur Verfügung gestellt, im Dezember 1973 die Vertragsbedingungen für die Tunnelbauarbeiten. Am 15. Februar 1974 war Angebotseröffnung mit nachfolgender Auswertung der Angebote einschließlich verschiedener Alternativvorschläge. Diese wurden verhandelt und führten zu einer geänderten Baulosverteilung mit einer Auftragssumme von 1,854.000.000,- AS. Für beide Schächte wurden 2 verschiedene Auskleidungsmethoden ausgeschrieben, der Schacht Maienwasen (218m) wurde mit einem Pilotschacht mit Alimakgerät aufgebrochen und mit der Spritzbetonauskleidung abgeteuft. Der Schacht Albona (736m) wurde mit einer Ortbetonauskleidung abgeteuft. Die Auftragssumme beider Schächte lag bei 324,000.000,- AS. Der Tunnelanschlag erfolgte am 5. Juli 1974, d.h. 2 Jahre nach Planungsbeginn. Die Tunnelvortriebsarbeiten verliefen wie üblich nicht ohne Überraschungen und einige brenzligen Situationen. Stark druckhaftes Gebirge verursachte Verschiebungen bis zu 70cm und die hohen Drücke zeigten sich spektakulär bei einem Scherbruch. Durch Adaptierungen des Bauablaufes und auf Grund höherer Vortriebsleistungen als ausgeschrieben konnte der offizielle Durchschlag am 11.11.1977 gefeiert werden. Der Einbau des Innengewölbes und der Zwischendecke währen des Vortriebes erlaubte es, bald nach dem Durchschlag mit den elektromaschinellen Installationen zu beginnen und in Rekordzeit abzuschließen. Damit war eine Verkehrsfreigabe noch vor dem Winter am 1.12.1978 möglich.

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Asfinag vor 11 Tagen

Was für eine Bereicherung. Vielen Dank für die interessanten und detaillierten Ausführungen. Liebe Grüße, Ihre ASFINAG

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Dipl.-Ing. Dr. techn. Max John vor 13 Tagen

Die Umsetzung des Arlberg Straßentunnels ist aus heutiger Sicht als "unheimlich" zu bezeichnen und daher wert, in Erinnerung gerufen zu werden. Im 1971 beschlossenen Bundesstraßengesetz ist die Arlberg Schnellstraße mit Untertunnelung des Arlbergpasses enthalten. Im Dezember 1971 wurde eine Vorstudie von den beiden Bundesländern Tirol und Vorarlberg vorgelegt, welche Basis der Verhandlungen mit dem Bund bildete. Am 2. September 1972 wurde der Syndikatsvertrag zum Bau der Arlberg Schnellstraße unterzeichnet. Parallel dazu wurde von der ILF (Ingenieurgemeinschaft Lässer-Feizlmayr) das Generell Projekt ausgearbeitet und im Dezember 1972 abgegeben. Am 26.1.1973 wurde die Arlberg Straßentunnel AG gegründet und am 14. Februar 1973 das Arlberg Schnellstraßen Finanzierungsgesetz im Parlament einstimmig beschlossen. Im Frühjahr 1973 wurden die Einsprüche der betroffenen Gemeinden behandelt und Variantenvergleiche durchgeführt. Im Mai 1973 wurde vom Aufsichtsrat der Trassenführung zugestimmt und vom Bautenministerium das Generelle Projekt genehmigt. Das §4 Verfahren wurde im Juni und Juli 1973 abgewickelt, sowie die eisenbahnrechtliche Bewilligung beantragt. Die Operate für die Grundablöse wurden im August 1973 aufgelegt.

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