Wenn Tiere unsere Grünflächen pflegen
Aubrac-Rinder, Wasserbüffel, Angusrinder und Schafe – entlang unserer Autobahnen und Schnellstraßen übernehmen tierische Helfer wichtige Aufgaben. Sie pflegen Grün- und Ausgleichsflächen, fördern die Biodiversität und tragen dazu bei, wertvolle Lebensräume zu erhalten. Dass dieser Weg erfolgreich ist, zeigt auch eine Auszeichnung für eine unserer Ausgleichsflächen entlang der S 7 Fürstenfelder Schnellstraße..Mehr als nur Autobahn
Wer an Autobahnen denkt, denkt meist an Verkehr. Weniger sichtbar ist, dass entlang unserer Strecken auch zahlreiche Grün- und Ausgleichsflächen liegen. Tatsächlich ist nur rund ein Drittel der von uns betreuten Gesamtfläche versiegelt – etwa zwei Drittel bestehen aus Grün- und Ausgleichsflächen.
Diese Flächen entstehen dort, wo Eingriffe in die Natur ausgeglichen werden, und entwickeln sich oft zu wertvollen Rückzugsorten für Tiere und Pflanzen.
Damit sie ihren ökologischen Wert langfristig behalten, werden sie regelmäßig gepflegt. Dabei arbeiten wir mit regionalen Landwirtinnen und Landwirten zusammen. Das sorgt für kurze Wege, reduziert CO₂-Emissionen und stärkt gleichzeitig die regionale Zusammenarbeit.
Auf ausgewählten Flächen setzen wir bewusst auf natürliche Unterstützung: Rinder, Wasserbüffel und Schafe übernehmen Aufgaben, die sonst Maschinen erledigen würden. Das schafft Lebensräume, fördert die Artenvielfalt und zeigt, wie Infrastruktur und Naturschutz Hand in Hand gehen.
Aubrac Rinder an der A 6 Nordost Autobahn
Seit August 2023 lebt auf ökologischen Ausgleichsflächen entlang der A 6 Nordost Autobahn eine Herde von Aubrac-Rindern. Die Tiere unterstützen uns bei der natürlichen Pflege der Flächen und helfen dabei, wertvolle Lebensräume langfristig zu erhalten.
Durch diese alternative Bewirtschaftungsform versprechen wir uns weniger Aufwand aufgrund sonst regelmäßigem, großflächig erforderlichem Mähen der Flächen. Ein regionaler Landwirt kann zudem die vorhandenen Grünflächen sinnvoll nutzen. Durch diese Form der extensiven Bewirtschaftung erwarten wir uns außerdem, dass sich Zeigerarten von Tieren (Vögel, Insekten) und Pflanzen optimal entwickeln und diese bereits artenreichen Flächen weiter aufwerten. Die Wertschöpfung bleibt zudem in der Region, denn der zuständige Landwirt ist unmittelbarer Anrainer und setzt auf Nachhaltigkeit sowie ökologische Kreislaufwirtschaft.
Aubrac Rinder und ihre Eigenschaften
Aubrac Rinder stammen von vom Aussterben bedrohten Maraichine-Rind und vom Braunvieh ab und sind seit ca. 150 Jahren in der französischen Hochfläche des Aubrac (südlich der Loire) vorzufinden. Der robuste Körperbau sowie die Eignung für extensive Haltungsbedingungen auf anspruchsvollen Standorten zeichnen diese Rinderrasse besonders aus. Wie für unsere Ökofläche auf der A 6 Nordost Autobahn geschaffen, kommen sie perfekt mit Trockenheit, Hitze, Wind und starker Sonneneinstrahlung zurecht.
Auf einer Fläche von 192.135 Quadratmetern stehen jedem Rind rund 10.000 Quadratmeter zur Verfügung – mehr als genug Platz zum Grasen und Bewegen. Betreut werden die Tiere von einem erfahrenen heimischen Bio-Landwirt, der täglich nach ihnen sieht. Die Mutterkuhhaltung sorgt dafür, dass die Tiere in ihrer natürlichen Herdenstruktur leben können.
Die Nähe zur Autobahn ist dabei laut Landwirt und den zuständigen Behörden unbedenklich. Die weitläufige Fläche bietet den Tieren ausreichend Rückzugsmöglichkeiten und ermöglicht es ihnen, sich von der Autobahn abzuwenden. Selbstverständlich werden dabei das Tierschutzgesetz sowie alle weiteren gesetzlichen Vorgaben und Bestimmungen eingehalten.
Wasserbüffel und Angusrinder an der S 7 Fürstenfelder Schnellstraße
Auch entlang der S 7 Fürstenfelder Schnellstraße setzen wir auf natürliche Landschaftspflege. Auf einer rund 15,5 Hektar großen Ausgleichsfläche bei Großwilfersdorf sorgen seit 2025 Wasserbüffel und Angusrinder dafür, dass die Fläche auf natürliche Weise gepflegt wird.
Die naturnahe Beweidung schafft wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Davon profitieren auch seltene Vogelarten wie der Kiebitz. Die Trittsiegel der Tiere bilden kleine Vertiefungen und unterschiedliche Bodenstrukturen, die für Bodenbrüter attraktive Brutplätze schaffen.
Besonders die Wasserbüffel übernehmen in den feuchten Bereichen eine wichtige Aufgabe: Sie halten die Wasserflächen offen, da Schilf und ufernahe Gehölze zu ihrer natürlichen Nahrung gehören. So entstehen vielfältige Lebensräume, die die Artenvielfalt nachhaltig fördern.
Ein spannendes Ausflugsziel für Interessierte
Um das Natur-Juwel der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, haben wir uns dazu entschlossen, eine Besucherplattform mit Fernrohren zu errichten, die in das Gelände eingebettet ist, um die Tiere nicht zu stören. Ein Lehrpfad, bestehend aus mehreren Schautafeln, sorgt für die Erläuterungen zu dieser Fläche im Besonderen und zu den gesamten Ausgleichsflächen entlang der S 7 im Allgemeinen.
Und es gibt noch viel mehr zu sehen: Auf dem Areal wurden in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Vogelarten gesichtet, mittlerweile haben Ornithologen fast 170 verschiedene Vogelarten entdeckt. Darunter sind auch zahlreiche streng geschützte und teils sehr seltene wie Bienenfresser, Bruchwasserläufer, Eisvogel, Fischadler, Goldregenpfeifer, Kiebitz (mit Bruterfolg), Löffelente, Zwergtaucher und auch der Seeadler. Das österreichische Wappentier war in unserem Land ausgerottet. Erst seit knapp 20 Jahren gibt es wieder Bruterfolge. Mittlerweile gibt es in der Oststeiermark und im Burgenland zehn bis zwölf Paare.
Die Liste der Tiere und Pflanzenarten, die erst durch die Errichtung der S 7 neue und für immer geschützte Lebensräume finden konnten, ist lang und reicht von Schmetterlingen über Zauneidechse, verschiedene Amphibienarten und Bachmuscheln bis hin zu Fledermäusen sowie von Heidenelke über Fünfzahl-Weißmiere bis zum Großen Wiesenknopf, der wiederum eine wesentliche Futterquelle für die Raupen der geschützten Schmetterlingsart Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist.
Dass sich dieser Ansatz auszahlt, zeigt eine besondere Auszeichnung. Unser „NaturquarTier Großwilfersdorf“ entlang der S 7 Fürstenfelder Schnellstraße wurde beim European Public Sector Award (EPSA) 2026 mit einem Good Practice Certificate in der Kategorie „Infrastruktur, Mobilität und Energie“ ausgezeichnet. Damit wurde das Projekt als beispielhafte Verbindung von Infrastruktur, Naturschutz und nachhaltiger Flächenentwicklung gewürdigt.
Määht in Austria: Schafe bei der PV-Anlage Schwechat
Bei unserer Photovoltaikanlage gegenüber der Raststation Schwechat testen wir gemeinsam mit dem Verein Hirtenkultur eine weitere Form der naturnahen Grünraumpflege.
19 Schafe verschiedener Rassen beweiden dort die Flächen rund um und unter den Solarpaneelen sowie den Trockenrasen der angrenzenden Ausgleichsfläche. So werden auch Bereiche, die für Mähgeräte nur schwer zugänglich sind, auf natürliche Weise gepflegt. Gleichzeitig trägt die Beweidung dazu bei, die Artenvielfalt auf der Fläche zu fördern.
Ergänzend wurden Totholzhaufen als wertvolle Strukturelemente für Wildbienen angelegt. Außerdem bleibt jedes Jahr rund ein Viertel der Fläche von der Beweidung ausgenommen. So entstehen geschützte Rückzugsräume für Insekten und weitere wertvolle Lebensräume.
Gemeinsam für mehr Biodiversität
Ob Aubrac-Rinder, Wasserbüffel, Angusrinder oder Schafe: Sie alle leisten einen Beitrag dazu, wertvolle Lebensräume zu erhalten. Wir übernehmen Verantwortung für die Natur entlang unserer Strecken und schaffen Raum, in dem Biodiversität wachsen kann.